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Können wir bald sehen, welchen CO2-Abdruck unsere Lebensmittel haben?

 

Angesichts des Klimawandels ist Nachhaltigkeit ein stetig wichtiger werdendes Thema. Natürlich trägt unsere Ernährung auch einen Beitrag dazu bei, wie groß unser ökologischer Fußabdruck ist. Was für einen CO2-Abdruck unsere Lebensmittel aber tatsächlich haben, ist für Verbraucher beim Einkaufen fast unmöglich herauszufinden. Der Bundestag beschäftigt sich deshalb genau mit dieser Frage, nachdem eine Petition von Oatly, mit insgesamt 57.000 Unterschriften, eingereicht worden ist. Das Ziel der Petition ist eine ersichtliche Kennzeichnung von Lebensmitteln. Beim Einkaufen soll direkt erkennbar sein, ob ein Lebensmittel klimafreundlich produziert worden ist, oder eben nicht. Bisher kam der Bundestag in der Anhörung vom 19.09.2020 zu dem Schluss, dass die Regierung nachhaltige Landwirtschaft der „Farm to Fork“-Strategie unterstütze und bei einer CO2-Kennzeichnung auf Freiwilligkeit setze.

 

Wie können wir eine einheitliche Kennzeichnung umsetzen?

Ein einfaches Unterfangen wird dies nicht, da einheitliche Standards zur Kennzeichnung fehlen. Es ist bislang nicht klar, welche Schritte der Produktion mit einbezogen werden sollen. Zugleich stellen Methoden zur Bestimmung des CO-Ausstoßes große finanzielle Belastungen dar. Eine Möglichkeit zur einheitlichen Kennzeichnung könnte die Klassifizierung von Produktgruppen sein. Es kann von Hersteller zu Hersteller einer Produktgruppe jedoch große Unterschiede zur Höhe der CO2-Belastung geben (konventionell hergestellte Produkte und biologisch hergestellte, importierte Waren usw.). Die Lebensmittelindustrie hat einen klaren Handlungsbedarf, denn sie verursacht 25% aller globalen (CO2-)Emissionen. 85% der befragten Verbraucher einer Umfrage im Auftrag des Unternehmens Oatly möchten mehr über die CO2-Belastung ihrer Lebensmittel wissen.

 

Penny geht einen Schritt weiter

Dass eine Kennzeichnung trotz Schwierigkeiten dennoch funktioniert, zeigt das Unternehmen Penny. In Zusammenarbeit mit der Universität Augsburg wurde in einer Filiale ein Projekt gestartet, bei dem die „wahren Verkaufspreise“ bezüglich der ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette neben den eigentlichen Verkaufspreisen gezeigt werden und so für die Kunden sichtbar werden. Dafür haben Wissenschaftler für acht konventionelle und ökologisch hergestellte Eigenmarken-Produkte Stickstoff, Klimagase, Energie und Landnutzungsänderungen mit in den Verkaufspreis eingerechnet. Heraus kam, dass die Folgekosten unseres Konsums nicht berücksichtigt werden. In Zahlen bedeutet dies, dass die Preise der acht konventionell hergestellten Lebensmittel im Schnitt pro Kilogramm um 62% steigen müssten und bei den ökologisch hergestellten Produkten um 35% pro Kilogramm.

 

Der Wunsch nach einem “Klimalabel” für Lebensmittel ist da

Die Petition liegt im Bundestag vor und auch Nestlé Deutschland hat am 13. September 2020 in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass es eine europaweite CO2-Kennzeichnung unterstützt. Die gesellschaftliche Relevanz ist laut Umfrage von Oatly mehr als gegeben. Unternehmen wie Nestlé Deutschland unterstützen das Vorhaben und die Politik befasst sich im Bundestag mit dem Thema der CO2-Kennzeichnung. Die Frage nach der Umsetzung bleibt. Der WBAE schlägt ein Label ähnlich dem Nutri-Score vor, bei dem die Standards für eine Kennzeichnung von einer öffentlichen Institution festgelegt werden. Hierbei könnte ganz nach Nutri-Score-Vorbild eine mehrstufige Farbskala eingeführt werden. Dem Verbraucher kann dadurch eine Einschätzung darüber gegeben werden, wie umweltfreundlich oder -schädlich ein Produkt ist.

 

Der Nutri-Score, mit dem wir uns als Agentur beschäftigt haben, vermittelt Verbrauchern schnell und unkompliziert, welchen Nährwert ein Lebensmittel hat. Wir sind davon überzeugt, dass Kommunikation immer zu positiven Veränderungen führen kann. Selbst mit einfach wirkenden Kommunikationsmitteln könnte auch bei einer CO2-Kennzeichnung von Lebensmitteln viel erreicht werden.